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VBE Sachsen-Anhalt: Forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrer“ – erschütternde Wahrheiten zutage gefördert

(Halle, 15.11.2016)

Angesichts der Ergebnisse der Forsa-Umfrage zur Gewalt gegen Lehrer zeigt sich der VBE Sachsen-Anhalt bestürzt. Die Gewalt gegenüber Lehrkräften ist ein Sachverhalt, über den in Sachsen-Anhalt viele Jahre sich der Mantel des Schweigens gelegt hatte.

„Gewalt gegen Lehrkräfte“ wird von 57 Prozent der Befragten als Tabuthema angesehen. So ist es auch zu erklären, dass 15 Prozent der Befragten angaben, dass sie bei psychischen Angriffen durch Schüler nichts unternommen haben. Erfolgte der psychische Angriff durch Eltern, geben sogar 35 Prozent der befragten Lehrkräfte an, den Vorfall nicht gemeldet zu haben.

Der Landesvorsitzende H. Pastrik kommentiert: „Die Gewalt gegen Lehrkräfte wird häufig zum Privatproblem des Betroffenen erklärt. Fehlende Unterstützung der Verantwortlichen, Zweifel an der Erfolgsaussicht und die Angst vor Konsequenzen verhindern die konsequente Meldung und Verfolgung von psychischen und physischen Angriffen. Der Arbeitgeber und Dienstherr muss sich schützend vor und vor allem unterstützend hinter die Lehrkräfte stellen.“

Auch wenn für Sachsen-Anhalt keine genauen Zahlen vorliegen, so ist doch von einer ähnlich hohen Quote auszugehen. Viele Lehrkräfte trauen sich nicht, Gewaltübergriffe öffentlich zu machen oder zur Sprache zu bringen. Die Gründe können sehr vielschichtig sein, aber einer der Hauptgründe ist das sich Allein-gelassen-fühlen seitens des Arbeitgebers bzw. durch die Schulleitung.

Erst mit der im Jahre 2013 gestarteten Arbeit der Firma medical airport services auf dem Gebiet findet eine  Versorgung auf arbeitsmedizinischen Gebiet und psychologischer Betreuung statt.

Das ansteigende  Maß an Cybermobbing ist ein Zeichen der zunehmenden Verrohung in der Gesellschaft. 77 Prozent der Befragten sehen eine Zunahme von Formen des Mobbings über das Internet. Fast jede dritte befragte Lehrkraft gab an, dass es Fälle an der Schule gab. Schlagworte wie Shitstorming, Bashing und andere zeigen wie sich die Täter immer weiter ins Anonyme des Internets und sozialer Netzwerke verstecken wollen. Zugleich wird aber auch deutlich, wie schwieriger es für die Betroffenen wird, den oder die Täter zu erkennen.

Ein wesentlicher Baustein in der Arbeit gegen Cybermobbing ist die Stärkung der Medienkompetenz in der Schule, für Schülerinnen und Schüler wie für die Pädagoginnen und Pädagogen. Ausbildung von Medienkompetenz benötigt mehr als nur das Hinstellen von Computern und Breitbandanschlüssen.

Hier sind tiefgreifende und nachhaltige Konzepte gefragt, keine Schnellschüsse!

Dazu gehört auch ein eigenständiges Unterrichtsfach in allen Schulformen, in dem zentral auf die Entwicklung und Ausbildung von Medienkompetenzen eingegangen wird.

Präventiv könnte neben Gesprächen mit den Schülern, einem Schulkodex und Kooperationen mit der Polizei und externen Institutionen vor allem das Arbeiten in multiprofessionellen Teams und in ausreichend großen Räumen wirken. Allerdings werden diese Gelingensbedingungen von der Politik verweigert. Während 68 Prozent der Befragten die Zusammenarbeit mit multiprofessionellen Teams als sinnvoll für die Gewaltprävention erachten, arbeiten nur 41 Prozent der Lehrkräfte so. Beckmann empört: „Das ist ein vom Bildungsministerium geschriebenes Drama, in dem die Lehrkräfte fünf Rollen auf einmal spielen sollen. Es besteht dringender Handlungsbedarf!“

Dass die Politik reagieren muss, zeigt sich auch an diesem Ergebnis: 45 Prozent der Befragten erwarten von der Schulverwaltung und  58 Prozent der Befragten von der Landesregierung und dem Schulministerium, dass sie endlich mehr unterstützt und besser geschützt werden.

Wir fordern von der Landesregierung:

  • Gewalt gegen Lehrkräfte darf kein Tabu-Thema mehr sein.
  • Die Dokumentation von Vorfällen hat verpflichtend zu erfolgen.
  • Statistiken müssen geführt und veröffentlicht werden.
  • Die Lehrkraft muss die volle Unterstützung des Dienstherren erhalten.
  • Entwicklung klarer Strukturen, an wen sich Lehrkräfte wenden können und was nach einem Übergriff zu tun ist.
  • Unterstützung der Schulen durch multiprofessionelle Teams.
  • Ein breites Fortbildungsangebot.
  • Vermittlung von Medienkompetenz als Prävention gegen Cybermobbing.

 

VBE-Landesvorstand

Download des Pressedienstes

forsa-Umfragen des VBE-Bundesverbandes

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